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München schillert - Gedichte aus dem Poesiebriefkasten

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Briefkasten der Poesie in Giesing
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Zuschauer und Vortragende beim Poetentreff im Haus an der Pilgersheimer Straße (Foto: Egbert Kraus)

15. November 2014  15-17 Uhr

Poesie im P11

Schnittstelle Poesie: ein lyrischer Nachmittag im Haus an der Pilgersheimer Straße mit 18 Gedichtvorträgen und einem gemeinsamen Stempelbild

Gut eingeheizt hatte Gerhard Baier, der Leiter des Hauses an der Pilgerheimer Straße, den Speisesaal. Dampfende Kaffeekannen, Lebkuchen und Plätzchen standen auf weiß eingedeckten Tischen für die gut 50 Gäste bereit.

Anfangs, räumte Stadtviertelchef Clemens Baumgärtner ein, sei er ja als konservativer Politiker dem Poesieprojekt in Untergiesing gegenüber skeptisch gewesen. Doch dann würdigte er das poetische Publikum mit seiner warmherzigen Begrüßung und bedankte sich persönlich bei Katharina Schweissguth für den Poesie-Briefkasten.

18 Poeten, darunter einige Hausgäste, ergriffen anschließend das dichterische Wort. Wie fühlt sich ein Soldat im Auslandseinsatz? Richard Maresch bearbeitete dies sensible Thema in seinem Gedicht. Blöde Sprüche wegen ihrer Figur? Darauf hat Helena S. kecke Reime parat: „Ja schwanger bin ich auch, mit meinem Schokoladenbauch!“ Keine Angst vorm Tod, aber Angst vorm Sterben, hat Friedhofsverwalter Thomas Fleckenstein. Dazu hat er ein Poem zur Leichtigkeit des Seins geschrieben. Heidi M. rüttelte gekonnt Verse durcheinander. Wortspieler Herr Kuss, fühlte sich von der Poesiepostbotin genötigt in seinem Gedicht Tiere unterzubringen. Völlig frei dagegen umbrach er die geografischen Zeilenenden – sehr zur Erheiterung der Zuhörer. Seine Gedanken zu einem "guten Leben" hatte Werner S. in ein sehr feines Gedicht eingesponnen, das er beherzt – gegen den vorbeidonnernden Zuglärm – vortrug. Wegen der dichten Atmosphäre hatte nämlich eine Dame ein Fenster geöffnet.  Bernd F. verblüffte mit breitem Sächsisch und großem darstellerischem Talent. Mit seinem Gedicht vom Mann, der ein Stück Brot stahl, ins Gefängnis kam, Wohnung und Frau verlor, brachte er das Schicksal vieler Anwesender auf den Punkt. Prophetisch-bayrisch versetzte sich Klaus G. in die Lage von Jesus, der in Jesuslatschen den "Oiberg aufhatschen" musste, da bequeme Outdoorschuhe noch nicht erfunden waren. Tosenden Applaus erntete die 94jährige Elisabeth Bibel, die zum Schluss bayrische Gstanzl aus der Zeitung rezitierte. Augenzwinkernd steckte die rüstige Poetin der Poesiepostbotin einen Geldschein „fürs Porto“ zu. Und bat sich aus, das nächste Mal wieder eingeladen zu werden.

Jeder der Poeten und Gäste setzte einen Stempelabdruck in das gemeinsame Stempelbild "AB, gestempelt".

Fazit: Poesie im Männerwohnheim ist wunderbar!

Arbeit und Wohnung zu verlieren ist existenzbedrohend. Dazu kommt die soziale Abstempelung. Darum geht es in Maria Sperbers Gedicht.

Brigitte Obermaier, genannt Zauberblume, hat während die anderen Gäste noch ihren Kaffee austranken, eine poetische Zusammenfassung geschrieben, die auf Myheimat nachzulesen ist.

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