Brieftaube der Poesieboten
Poesie, Lyrik, Poesiebriefkasten
Poesie-Briefkasten
Wirtstraße 17
81539 München
München schillert - Gedichte aus dem Poesiebriefkasten

München schillert

Gedichte aus dem Poesiebriefkasten von 111 PoetInnen; Euro 14,90; Taschenbuch; Erhältlich bei amazon, Smart+Nett oder Ihrem Buchhändler; Infos



Poesie-Briefkasten, Wirtstr. 17, 81539 München
Briefkasten der Poesie in Giesing

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Kulturraum-München (Nikolaus Schön) und Poesiebriefkasten (Katharina Schweissguth) freuen und bedanken sich. Fotos: Egbert Kraus

Überzeugte Poetin: Maria Sperber mit einem Gedicht zum Stianghaus

Bertram Marstallers Text: kurz, staubig, eindringlich

Doris Benz: Im Finstern gibts an Ohrenschmaus! Eine Stiege erzählt.

Elfie Hafner-Kroseberg amüsiert mit einem „lausigen“ Gedicht

Alexander Gressmann dringt in Zwischenräume

Adeles Aufstieg bis in den 6. Stock: Erika Kiechle-Klemt

Würdigt den Leberkaas: Angelika Gehwald

Von der Klorolle zur Wendeltreppe: Brigittes Bastelgedicht

Dionyso di Kinski zeigt aphrodisische Verwandlungen

Intensives Kurzdrama, intensiv dargestellt: Eva-Maria Birnhäupel-Hoppe

Der Mann, der den Schirm sprechen lässt: Geet

„Des Schtianghaus woas ois“, weiß Hans Senninger

„Ich bin eigentlich gar nicht da" so stellt Heinz Gerd Gerecke sich vor

Vom Großen des Kleinen – Hildegard

Horst Beckers: Es gibt eine Wirklichkeit für Starke und eine für Schwache

Pause mit Getränken und Gesprächen

Karin Schreiber: Tür-an-Tür-Drama über „Die da“ mit den herrlichen Brüsten

Der Herr ohne Fliegen: Lothar Thiel

Madalina Sora-Dragomir: Durchbreche Mauern!

Durchdrungen von Romantik - Marcus Schimpf

Über einen Verstorbenen: Er hatte menschenfreundliche Augen. Marita Fischer-Reinsbach

Dichtet mit Fantasie über ein Stückel Paradies: Michaela Hug-Szajer

Vom Punksong bis zum Anwaltsslang – Peter Vogel hats drauf.

Eine Schutzengerllegende zum Trost von Richard Maresch

„Lose“ Rezitation eines losen Gedichts: Sachmet Amun

Komisch-verzweifelter Selbstdialog von Sigrid Voss

Zwischengedichtlicher Austausch

Aufrührend: Tania Rupel Tera

Ein schillernder Nachmittag unterm Gummibaum

11. Juni 2016  16 Uhr 30

Stiangglanda-Poesie im Schlachthofviertel

„A Schdianghaus, woas ois! Wea kimmd und wea gehd, ob friah oda schbed, aloa oda ned.“ So beginnt Hans’ Stianghaus-Gedicht. Doch das hatte das Stianghaus in der Zenettistr. 2 noch nicht gesehen: Auf Initiative des Kulturraum-München e.V. fand hier eine lebendige Literaturwoche an dieser alltäglichen Durchgangsstation statt.

Am Samstag, den 11. Juni, füllen gut 40 Poesiebegeisterte den Platz unter der Stiege, behütet von den dicken, leicht angestaubten Blättern eines riesigen Gummibaums. Eingesandte Gedichte an den Poesiebriefkasten winden sich dekorativ das Stiangglanda hinauf. Über die Hälfte der Besucher wird eigene Werke vortragen. Das Mezzanin verwandelt sich in eine offenen Poetenbühne. Es schillert treppauf und treppab.

Das Treppenhaus selbst ist Thema vieler Gedichte und Geschichten. Diese Welt, wo wir intim Tür an Tür mit unseren fremden Nachbarn leben, wo Gerüche wabern, Flaggen gehisst, Liebesdramen vor den Augen der neugierigen Nachbarn ausgetragen, Pakete verschoben werden und im Dunkeln geschnackselt wird. Eine Stiege kommt selbst zu Wort. Sogar die ehrwürdige Abstammung der Treppe vom Amphitheater kommt zur Sprache. Ui, Treppenhaus reimt sich auf Laus! Der Reim stammt schließlich vom Echo ab.

Ein frischer Lyrik-Gedanke holt unterhaltsam-unaufhaltsam den nächsten ein. Sigrid will endlich den Kopf freikriegen von Zahlen, Daten und Fakten. Michaela bedichtet den nahen Flaucher, ein Stück vom Paradies. Diana fragt den Saum am Weg: „Wo gehst du hin?"

Ein Glück, dass das Sauwetter die Poeten nicht am Kommen gehindert hat. Im Gegenteil - das langweilige Wetterthema ist ein hochwirksames Ideenenzym. Bezaubernd, das romantische Frühlingsgedicht von Markus; zum Ablachen, Peters, im näselnden Juristenjargon vorgetrages, Plädoyer für besseres Wetter; dazwischen baut Bertram rapschnell Vers für Vers eine staubtrockene Kargheit auf. Geet ernennt aus dem Stegreif seinen Regenschirm zum rhytmischen Requisit und Partner seiner ungeprobten Darbietung.

Es schillert munter weiter: die exzentrischen Schauspieler Dionyso und Sachmet interpretieren in wallendes Schwarz-Rot gehüllt, mythische Gedichte. Die grausige Nähe zum Schlachthof wird humorig aufgegriffen in Angelikas Leberkäsgedicht oder mit dem Ochsen der, laut Brigitte, freiwillig seinen Schwanz in die kochende Gemüsebrühe steckt – eh, voilà Ochsenschwanzsuppe.

Kann Poesie trösten, wenn ein geliebter Mensch stirbt? Richard hat mit seinem Gedicht diese Frage mitgebracht. Eine Antwort kann es sein, dass auch Marita, deren Vortrag zufällig darauf folgt, sich poetisch mit dem Sterben auseinandersetzt.

Bier trifft Blut – in der „wunden Bar“ von Tania. Osteuropäische Mädchen kauderwelschen mit ihren deutschen Kunden. Poesie geht überallhin, auch über die Schmerzgrenze und übers Reimen hinaus. Der Gedanke an das Elend der Flüchtlinge – Madalina fragt sich, ob sie überhaupt noch zur Poesie berechtigt ist. Europa schließt – ob aus oder auf: in Lothars leichten Wortspielen stecken schwere Wahrheiten drin.

Dann, Elisabeth, eine schmale, ältere Dame stellt in ihrem frei vorgetragenen Gedicht die Alten und die Jungen gegenüber. Doch die letzten beiden Zeilen wollen ihr partout nicht mehr einfallen. So läuft sie treppab, quer durch den Zuschauerraum zu ihrer Handtasche, wo sie den Zettel mit dem Gedicht herauskramt und wieder zurück auf die Bühne: Der Appell zur Harmonie zwischen den Generationen – der hatte noch gefehlt.

Als Moderatorin fühl ich mich an diesem faszinierenden Nachmittag wie Goethes Zauberlehrling. Die Poesie, die ich gerufen’, ist gekommen und entwickelt eine eigene fantastische, überquellende Choreografie. Unfassbar und unbeschreiblich. Liebe Leserin, lieber Leser, wenn du wirklich wissen willst, wie es gewesen ist, so geh hin in die Zenettistr. 2 und lausche dem Treppenhaus. Denn: „Des Schdianghausnotizbuach hod ois sauba notiad.“ So endet Hans’ Stianghaus-Gedicht.

Eure Katharina, Poesiepostbotin

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  • Tausend Dank an Anna Weininger und Nikolaus Schön vom Kulturraum-München e.V., dass wir an „Literatur im Stianghaus" teilnehmen durften.
  • Lieber Egbert Kraus: Merci für die tollen Fotos.
  • Danke an Smart&Nett-Verlag, der uns über unser Buch hinaus unterstützt
  • Liebe Poeten und Zuschauer: Ihr seid Münchens Poesie! Danke!

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Die "Stiangglanda-Poesie" im KulturRaum München gestern, 11. Juni 2016 war wieder ein eindrucksvolles Erleben von Poesie ganz unterschiedlicher Art. ... es war, wie immer, w u n d e r s c h ö n ! Wir alle freuen uns schon auf das nächste Poesietreffen! G. Michaela Hug-Szajer

ich möchte mich einfach für den gelungenen lebendigen Nachmittag zum
Stiagnhaus bei Ihnen bedanken. ... ein Forum zu bieten in einer angenehmen Atmosphäre, mit viel Offenheit, ist wirklich schön. Karin Schreiber

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Medienecho

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