Brieftaube der Poesieboten
Poesie, Lyrik, Poesiebriefkasten
Poesie-Briefkasten
Wirtstraße 17
81539 München

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Gedichte:


Gedichte aus dem Poesiebriefkasten von 111 PoetInnen; Euro 14,90; Taschenbuch; Erhältlich bei amazon, Smart+Nett oder Ihrem Buchhändler; Infos

München schillert - Gedichte aus dem Poesiebriefkasten


Poesie-Briefkasten, Wirtstr. 17, 81539 München
Briefkasten der Poesie in Giesing

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Lyrikinteressierter Erpel lotst Gedicht ©AR

Die 13. Lisar - der Rekordbücherflohmarkt ©JKF

Mittendrin das Poetenzelt ©JKF

Aufmerksame Zaungästin ©JKF

Herzlich willkommen ©JKF

Rege Beteiligung...©JKF

...der DichterInnen ©JKF

Johanna Koch-Fehrmann begrüßt die Poeten ©EK

Karina Schreiber lauscht am Ammersee ©EK

Kristiane Hehn sieht auch die Kehrseite ©EK

Spricht für die Tiere Helmut Gaber©EK

...und blättert in München schillert ©EK

Dichterischer Austausch mit Lothar Thiel ©EK

Yasemin Günay hat ein Gedicht gefunden ©EK

Singt und dichtet: Reiner Mayr ©EK

Vera spricht mit den Sternen ©EK

Zweisprachig: Katharina Bosnjak ©EK

Plaudert aus der Trickkiste: Astrid Schaper ©EK

Wo ist mein Platz? Madalina Sora-Dragomir ©EK

Macht Gedichte im Undo: Karl-Ludwig Kuss ©EK

Wurde vom Friedensengel empfangen: Elfie Hafner-Kroseberg ©EK

Stapellauf ©AR

Jedes Gedicht... ©EK

wird einzeln auf die Reise geschickt ©EK

Wird es sein Ziel erreichen? ©EK

Pas-de-Deux auf den Wellen ©EK

Noch etwa 3000 km flussabwärts bis zum Schwarzen Meer ©EK

Die Dichter bleiben auf der Museumsinsel zurück ©EK

24. Juni 2017  11 Uhr 30

Isar-Poesie im Lehel

Über eine Rekord-Lisar freuen sich die Organisatorinnen von Münchens charmantestem und wohl längstem Bücherflohmarkt. Auf der schattigen Isarpromenade empfängt die Flaneure, ein wahres Schlaraffenland – soweit das Auge reicht. Von der antiken Bibelausgabe bis zum aktuellen Schulbuch – hier gibt’s alles, was irgendwann mal gedruckt wurde.

Mitten im Büchermeer: Ein rotes Zelt, vor dem Gedichtewimpel fröhlich in der angenehmen Brise schaukeln. Sie sind mit Werken aus dem Poesie-Briefkasten bestückt. Interessierte, Poeten und Zaungäste versammeln sich bei der offenen Poetenbühne. Erst gibts eine herzliche Begrüßung von Johanna Koch-Fehrmann, die beim Lisar-Team die Lesungen organisiert und heuer uns Poesieboten eingeladen hat. Dann gibts Poesie:

Karin Schreiber berichtet in anschaulichen Worten aus dem tönernen Bauch des Ammersees. „Und überhaupt,“ fragt sie, „Wie wärs mal mit einer Poesielesung dort?“ „Gern!“

Mitreißend und philosophisch beschreibt Claudia Westhagen die ganze Bandbreite der Liebe von der kindlichen Gier bis zum abgklärten Loslassen.

Helmut Gaber hat keine Angst vor Spinnen mehr, sondern hält Zwiesprache mit einem Wal und ein flammendes Plädoyer für die Rechte der Tiere.

Gleich bei ihrer Ankunft in München machte Elfie Hafner-Kroseberg die liebevolle Bekanntschaft mit dem Friedensengel, „Flügel wie Pfeile“. Klar, dass sie geblieben ist und uns heute mit ihren Gedichten erfreut.

„Heimat, wo soll ich dich suchen?“ fragt hingegen Yasemin Günay, denn eine Heimat, so selbstverständlich dies für die meisten Anwesenden ist, haben viele nicht. Später liest Yasemin noch ein besonderes Kleinod vor: Ein Gedicht, das, in einer altmodischen Handschrift geschrieben, in einem hübsch gebundenen Büchlein jahrelang versteckt war. Dies hat Yasemin kurz vor der Lesung auf dem Flohmarkt erstanden und den darin verborgenen Schatz entdeckt.

Kristiane Hehn erinnert mit ihrem „Isarbett“ sehr humorvoll – aber eigentlich ists ernst – an die, für die die Isar kein Freizeitparadies, sondern Wohnstatt ist.

Zum Frösteln – das an diesem herrlichen Sonnentag! – bringt uns die schaurige Moritat von einem, der beim Selfiemachen mit dem „Deppenszepter“ in eine Felsspalte fiel, gedichtet von Lothar Thiel, der die Idee zu dieser Ballade bei Matthias Politycki verortet.

Authentisch und anschaulich erzählt Katharina Bosnjak von der Emanzipation als einem „Leben ohne Glanda“ auf Hochdeutsch und dann, wie ihr der Schnabel gewachsen, auf Oberpfälzisch.

Astrid Schaper verrät Tricks, wie frau mit den vielfältigen Rollenerwartungen fertig werden kann. Tricks, die wir hier natürlich nicht publizieren.

Heiterkeit ruft Angelika Genkin hervor, als sie ihre äußerst angenehme luxuriöse Traumwelt beschreibt, aus der sie ein schriller Wecker in die beißende Realität zurückruft.

Auf der Suche nach dem eigenen Weg ist das verspielte, tapsige Braune-Bären-Ich in Madalinas Gedicht: „Schreib mir einen Satz!“, fordert es alle auf. „Wo ist mein Platz?“ ruft es. „Spiel einfach weiter,“ will ich ihm zurufen, „dann wird alles gut.“

Was genau ein „Sinngedickt“ ist und wie man es herstellt, weiß auf der ganzen Welt Karl-Ludwig Kuss allein und erklärt es allen. Irgendwie muss man dabei Wörter aus dem digitalen Papierkorb heraus in analoge Zeilen bugsieren...

Vera „Ratlos“ spricht auf wunderschöne reine Poetenart den Sternenhimmel an, den wir mit unserem roten Zeltdach ja fast schon über uns haben.

Zum Schluss macht Reiner Mayr eine Umfrage, wer denn wann das letztemal einen Maikäfer gesehen hat – da kann sich keiner recht erinnern – und lädt zum gemeinsamen Singen der altbekannten Maikäfer-Flieg-Weise ein, zu neu verfasstem Text versteht sich.

Während der ganzen Vorträge haben die Poeten fleißig Poesieschifferl gefaltet, sodass eine kleine Flotte von etwa 15 Schifferln zusammengekommen ist. Nach der Poesiebühne macht sich also noch ein Grüppchen Poeten auf den Weg zum Nordkap der Museumsinsel, um die Poeme vom Stapel zu lassen.

Der „Reißende Fluss“ umfängt die ungewohnte Fracht rauh, aber herzlich. Die Bootchen wackeln, kippen und strudeln. Doch keines geht unter. So klingt der erfrischende Poesie-Nachmittag für uns aus. Für einige Münchner Gedichte geht es weiter. Final destination: Schwarzes Meer.

Katharina Juli/2017

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Danke an Johanna Koch-Fehrmann und das ganze LISAR-Team für die tolle Organisation, die Gastfreundschaft und dafür, dass es in München einen solchen Bücherflohmarkt gibt.

Danke Egbert Kraus ©EK, Johanna Koch-Fehrmann ©JKF, Andrea Rihl ©AR für die Fotos.

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