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München schillert

Gedichte aus dem Poesiebriefkasten von 111 PoetInnen; Euro 14,90; Taschenbuch; Erhältlich bei amazon, Smart+Nett oder Ihrem Buchhändler; Infos


Lange* Nacht der Poesie

Der letzte Abend des StuStaCulum 2015. Dampfige schwüle Luft. Wummernde Bässe aus den Musikbühnen. Exotische Essensdüfte. Gelächter. Festivalstimmung. In der runden kleinen Kulturjurte am Ende des Geländes ist alles ein bisschen ruhiger, aber umso aufregender. Hier haben heute die Poesieboten zur "Langen* Nacht der Poesie" eingeladen. Lange heißt, solange die Gedichte sprudeln.

Ein bunt gekleckstes Transparent hängt in der Runde: "Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß wie Wolken schmecken.." ist der Titel des Mitmachgedichts, das seit über einem Jahr vielen neue Zeilen erhalten hat. Daneben hängt die Mobile Gedichteausstellung, mit einer Auswahl von Gedichten, die bislang an Münchens ältesten Poesiebriefkasten geschickt wurden.
Zur Auflockerung versuchen sich Elfi und Heidi im Improvisationsdichten. Hallooo, wenn schon spontan solche Lyrikperlen entstehen! Inzwischen hält Hans ganz anschaulich für alle das Versmaß, Heben und Senken inklusive. Dann geht es los mit den Vorträgen.

Für Elfi hat der Platz eine besondere Bedeutung, denn hier in der Studentenstadt hat sie ihren Mann kennengelernt. Ein paar Jahre ist es her. Klar, dass sie das in ein Gedicht verpackt hat, in dem es um das Leben im Studentenwohnheim geht und die Disko "Egons Underground" (schade, die gibt's nicht mehr). Madalina wird demnächst heiraten, kann aber partout keine Hochzeitsschuhe finden: „Soweit so gut.“ heißt ihr Gedicht in dem sie in jedem Vers zwischen allen Welten balanciert. „Mordsee“ spielt an der Nordsee und beinhaltet einen Kurzkrimi mit überraschendem Ende à la Roald Dahl - selbstverständlich in astreinem Bayrisch vom Senninger, Hans. K-L Kuss bringt alle zum Schmunzeln, denn schließlich reimt sich Bariton auf Ceylon und er verbindet so alles Unmögliche.

Damit wir nicht durchdrehen bei soviel Genius, trägt Heidi zwischendurch ein Gedicht von Meister Rilke vor. In atemlosen Poetry-Slam-Tempo besinnt sich Philipp angesichts eines muskelbepackten Gegenübers auf seine eigenen Stärken. Thilo trägt seine träumerischen Songtexte vor, die noch keine Songs gefunden haben. Während es André, dem Nächtlichen, so "frühjahrsputzig" wird, dass ich ihn gern mal zu mir nach Hause – alles voller Staub und Katzenhaaren – einladen würde. Kati bringt ein paar Gedanken, die sie bei einer Veranstaltung zur Flüchtlingshilfe hatte und und und...

Die Stimmung in der Jurte: rund und poetisch, im Hintergrund laute Musik, die wir irgendwann nicht mehr hören. Dann, vor dem starken Regenguss, huschen die meisten zur U-Bahn. Adieu, ihr Lieben. Ich gebe euch im Nachhinein ein Gedicht von Tania Rupel-Tera mit auf den Weg:
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Unter dem Tunnel von blühenden Linden
gehe ich immer wieder...
Insekten stoßen aneinander im Rausch.
Verirrte Sonne sucht nach etwas im Schatten.
Diese Blüten werden bald abfallen
und es wird ein warmer Regen kommen.
Dann verwandelt sich die Stadt
in eine große Tasse Lindenblütentee.
Die Erde wird dieses Wunder genießen.
Und Gott wird nur durstig schlucken.

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Bald gibt es ein Wiedersehen beim nächsten Poetentreffen am 30.6. im ASZ Harlaching!

Und ein paar bleiben noch, trinken ein Bier, lassen das Gehörte sacken. Quatschen zur Erholung Prosa. Ein Sturm zieht auf und deckt das Dach ab, doch die fleißigen Kulturjurtler zurren gleich wieder alles fest.

Danke an alle Wortkünstler, Zuhörer und Zaungäste und an die Kulturjurte für die Gastfreundschaft.

Katharina

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