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München schillert

Gedichte aus dem Poesiebriefkasten von 111 PoetInnen; Euro 14,90; Taschenbuch; Erhältlich bei amazon, Smart+Nett oder Ihrem Buchhändler; Infos


Dichter beieinander: Sommer-Poesie

„Wo Poesie küsst den Besucher, verwandelt sich der Raum in ein Gedicht.“ PeRu

Draußen drückende Hitze am 30. Juni. Im einigermaßen kühlen ASZ Harlaching hat das ehrenamtliche Team Häppchen bereitgestellt, die neben Unmengen an Wasser regen Zuspruch finden. Mit seinem Akkordeon, das in Wirklichkeit ein Computer ist, stimmt der Musikus Alois Sepp die Gäste zum Schwingen.

Erst begrüßt ASZ-Leiterin Jasmin Koch die um die 45 Gäste. Sie ist schon ganz gespannt auf die Leerung von Münchens ältestem poetischen Briefkasten, der jetzt fast drei Monate im ASZ Harlaching Poesie eingesammelt hatte.

Doch zuvor können die Gäste ausgemusterte Lesehilfen bei der Neon- und Perfomance-Künstlerin Chris Bleicher abgeben. Sie hat bereits über 3000 Brillen und andere medizinische Hilfsmittel für Bedürftige in aller Welt gesammelt. Stolzes Ergebnis der Aktion im ASZ: 110 Brillen mit Etuis und ein Hörgerät. Bravo.

Während Frau Bleicher noch die Brillenschätze zählt, wandern die Gedichte aus dem Briefkasten auf eine, im Saal gespannte, Wäscheleine. Dort werden sie in nächster Zeit die Wand schmücken. Später werden sie als nachhaltige Erinnerung im ASZ bleiben.

Doch schon naht die nächste Attraktion: Richard Maresch hatte "Odysseus Heimkehr" auf Bairisch verfasst und trägt sie mit Dichterkollegin Michaela Hug-Szajer vor. In stilechte "antike" Gewänder gehüllt, bringen sie das Publikum zum Lachen. Erst macht Penelope dem Odysseus einen Haufen Vorwürfe wegen seiner 10-jährigen Verspätung, dann will sie es doch ganz genau wissen, wie das so war mit der Circe.

Die anschließende offene Poetenbühne ist mit prallem Leben gefüllt. Oder mit auch mal mit Leberkäs – wie in dem Gedicht von Angelika Gehwald.

Margot Gruber und Christine Leitl sind aus Nürnberg angereist, um ihre Kurzgeschichten vorzulesen. Erstere handelt von modernen Hexen und zweitere von der ersten Liebe.

Peter Rubin hat die Schöpfungsgeschichte umgedeutet und sein Poem allen Evas dieser Welt gewidmet. Elfi Hafner-Krosenberg hatte auf einer Zugfahrt in Italien  „Poster-Girls“ beobachtet und dies in knappe treffende Verse gekleidet. Heidi Mergener malt mit ihrer reichen Wortpalette die Farben des Sommers. Ein Gespräch mit der Nachbarin Huber übers Älterwerden ist Thema von Maria Sperbers Gedicht. Elisabeth Thal hält ein flammendes Plädoyer für den Baum. Eine ganze Litanei von Engeln bevölkert Ulrike Brandls Poem, sogar ein verpeilter ist darunter und rettet ihr Leben. (aus: „Setzen Sie sich“, erhältlich Tel. 089-7141737)

Sie: „Host ebbas gsogt?“ Er: „Naa.“ Dies ist das Grundmotiv von Waltraut und Hans Senningers Sketsch. Daraus zaubern sie unglaublich viele, dadaistisch-valentinistisch anmutende Varianten. Doch am Ende lässt sich der Hans nicht „ausflascheln“.

Jeder Poet und jede Poetin erhält Süßes und ein poetisches Licht. Übrigens, die Leuchten mit den Liebesversen der Dichterin Sappho von Lesbos sind sowohl für den homo- als auch den heteromantischen Abend zu Zweit auf dem Balkon geeignet.

Hannes Weich-Dawson überlegt, ob und welches Tier er sein wolle, das wollte er dann doch nicht, aber auch kein Mensch. (Aus „Meine Lebensansichten“, erhältlich Tel. 089-647502).

Sigrid Voss trägt zwei sehr persönliche, sehr berührende Gedichte bei. Den Minutendichter Magro besucht die Sternenfee in der Nacht. „Zauberblume“ Brigitte Obermeier baut Brücken von Gedicht zu Gedicht mit leisem Zupfen auf der Veenharfe (Gibt's in Ismaning noch nicht aber in München). Sie stellt fest, dass auch Katzen Katzenjammer haben. Federika Langer überzeugt als saukomischer Alien mit einem verrückten Akzent. Frau Noiser bedankt sich gefühlvoll beim ASZ. Die Gäste lachen und applaudieren, zwei Vortragenden bricht die Stimme vor Rührung.

Es könnte noch ewig so weiter gehen. Zum Abschied kündigt Frau Koch weitere poetische Aktionen im ASZ Harlaching an und die Poesieboten bedanken sich für die großartige Zusammenarbeit. Schluss war immer noch nicht: Als der Alois noch einen Rausschmeißer spielt, beginnen einige Poeten das Tanzbein zu schwingen.

Vielen Dank liebe Teilnehmer für die Aufmerksamkeit und die Gedichte; vielen Dank an das ASZ-Team für die Kooperation und Gastfeundschaft; danke, Chris Bleicher, dass wir bei der tollen Brillenaktion mithelfen können; danke Egbert Kraus für die gestochenen und gelungenen Schnappschüsse; danke an Alois Sepp für die musikalische Begleitung. Alle habt Ihr eure Fäden in unseren wunderbaren Poesieteppich hineingewoben.

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„ja, Danke sehr, Katharina Schweissguth, ein voller Saal, Poesie in der Luft, geballtes Wissen um Leben und Leiden, der Herr von Goethe würde sich freuen, eine still glühende Bereitschaft, eine freundlich gesonnene Gemeinschaft, ein Raum voller Gedichte, eine Harfe trifft ein "Syntheseizendes" Akkordeon…wo Poesie küsst den Besucher…verwandelt sich der Raum zu einem Gedicht…das war ein sehr gelungener Nachmittag mit Ihnen im ASZ Harlaching…an diesem heißen Sommertag.“
PeRu, 01.07.15…"Alles ist Poesie!

…Es war gestern alles wunderschön!
Michaela, 01.07.15

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