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Gedicht des Monats/Kür

Gedicht des Monats November 2020 von Ingrid Baumann, Ebersberg

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München schillert

Gedichte aus dem Poesiebriefkasten von 111 PoetInnen; Euro 14,90; Taschenbuch; Erhältlich bei amazon, Smart+Nett oder Ihrem Buchhändler; Infos


Geflügel-te Wandelpoesie

Samstag, 1. August 2015, 15 Uhr: Raus aus dem urbanen Alltag. Auf zu einer kurzen Zeitreise ins 18. Jahrhundert - auf zu einem wunderbaren poetischen Spaziergang im Nymphenburger Park.

20 Poesiewanderer und -boten fanden sich bei gemischten Wetter ein und flanierten von Klause zu Klause, bewunderten die modernen Ideen von Herrn von Sckel, staunten über die Muschelgrotte, rochen Heu und Sommer und ließen ihre Blicke entlang der unendlichen Fluchten der barocken Gartenarchitektur schweifen.

An einer kleinen Brücke hielt Brigitte Obermaier plötzlich an und trug ein Gedicht vor. Es ist einer Ente gewidmet, die einst genau an dieser Stelle einem Baby den Schnuller gestohlen hatte. Daraus folgerte Herr Kuss poetobiologisch, dass die Ente ein Säugetier sei.  

Am Tempel des Apoll angekommen ließen sich die Wanderer nieder, reichten Crissini und Schokolade herum und teilten sich zwei Flaschen gut gekühlten Sekt. Sie genossen den Blick auf den dunklen See. Tipp von Wolfgang mit der König-Ludwig-blauen Samtweste zum Temperieren von Getränken auf Wanderungen: Kühlkompressen um die Flasche wickeln!

Gestärkt und inspiriert von der mythisch aufgeladenen Atmosphäre des Monopteros schwangen sich die PoetInnen zu Gedichtvorträgen auf. Wie in dem Poem von Madalina, der Physiklehrerin, pendelten die Themen und Stimmungen dabei von Minus unendlich bis Plus unendlich.

Radioaktives Wasser als Allheilmittel gegen alle Wehwehchen dieser Welt bot Elisabeth Prehn an. Mit nagendem Witz spottete der Senninger der Bürokratie, die um die Wiederansiedlung der Biber entstanden ist – dem Biber-Management. Auch tierisch – befasste sich Elisabeth Thal mit dem harten Überlebenskampf der Erdhummelköniginnen. K-L Kuss rezitierte Verrücktes aus seinem Büchlein „Enzi An Blau. Sinngedickte“. Poesie auf litauisch brachte Deividas zu Gehör und musste inhaltlich nachhelfen: Elche an der Tränke beobachtet und sprachlich in geometrische Formen umgesetzt. Ist er ein Franz Marc der Poesie? Wir werden es erst wissen, wenn der Germanistikstudent seine Gedichte eines Tages ins Deutsche überträgt...

Fein auf Ort und  Zeit abgestimmt verlas Michaela noch „Julimorgen im Park“ von Hermann Stehr.

Schwärme von Gedichten und Gänsen flogen hoch über den Badensee. Plaudernd und schnatternd klang der Nachmittag aus. Fünf Stunden voller Lyrik, Picknick und Natur – verflogen im Dunst. Zum Abschluss schlug Buddhistin Angelika ein dreiminütiges gemeinsames Schweigegedicht vor. Das haben wir nicht geschafft. Diesmal.

Katharina

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Dank dir Apoll, Gott der Lyrik, für diese beflügelnden Stunden. Danke euch Wanderern und Poeten!

Mein besonders tiefer Dank gilt der Kunsthistorikerin X. für ihren wertvollen Beitrag.

Dank auch dir, Dionysos für Schaumwein und Gebäck.

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Park-Gedicht von Elfriede Hafner-Krosenberg

Zauberblumes Gedicht von der Diebischen Ente

Süddeutsche Zeitung -Terminhinweis