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Der Theater-Spaziergang „Jedamo" zum Nachglühen. 20seitige Dokumentation mit vielen Fotos und Soft-touch-Umschlag. Erhältlich im Stadtteilladen, Tela 113  oder per Post (Schutzgebühr 3,50). Bestellen unter info (at) poesiebriefkasten.de

Im Rahmen des Theater-Spaziergangs „Jedamo" findet an der Ruine des Uhrmacherhäusls in München-Giesing eine Versteigerung statt. Das Publikum bietet mit. Mit Gspusi-Musi.




Gedicht des Monats – Lesungen

Giesinger Persönlichkeiten lesen Einsendungen aus der Aktion „Gedicht des Monats“ vor. Playlist


München schillert

Gedichte aus dem Poesiebriefkasten von 111 PoetInnen; Euro 14,90; Taschenbuch; Erhältlich bei amazon, Smart+Nett oder Ihrem Buchhändler; Infos


Die Goldene Brezn

Der brandneue Lyrik-Preis „Goldene Brezn“ erblickt am 29.9.2022 beim gleichnamigen Mund-Art-Happening der Poesieboten im Giesinger Bahnhof das Licht der Bühnenwelt. 13 Poetinnen und Poeten erhalten die Auszeichnung, die ausschließlich zur Wiesnzeit vorkommt. Den zusätzlichen ersten Preis, einen Bühnenplatz beim Bahnhofsbrettl, heimst verdientermaßen Anna Funke unter dem tosenden Applaus des Publikums ein. Die GspusiMusi heizt mit ihrem authentischen Wirtshaus-Sound gehörig ein. Katharina Schweissguth führt durch den Abend. Ihr Gedicht „d’Gialiab“ enthüllt die zerstörerische Kraft der Breznliebe.

Jetzt ist das Publikum (an die 50 Personen) gefragt. Vielstimmig singt es angeleitet von Susi Achatz (Gspusi Musi) „Drunt in der greana Au“. Bei dieser Version des beliebten Liedes liegt im Nesterl kein Ei, sondern – wer hätte das gedacht ­– eine goldene Brezn.

Dann tritt Brigitte Obermaier alias Zauberblume mit einem Miniaturtheater auf. Mit den Strophen ihres sehnsüchtigen Gedichts wechseln die selbstgemalten Bühnenbildern. Eine zauberhafte Idee!

Erst doziert Lothar Thiel gelehrt über die singuläre Rimativität insbesondere des Wortes Mensch. Doch dann wirft der Sprachkünstler zum Vergnügen der Zuschauer alle Theorie mit einem in breiten Schwäbisch vorgetragenen Gedicht über den Haufen.

Eine wahre Liebeserklärung an das verschlungene Gebäck bringt Isis Marschall zu Gehör. Zerlutscht, zerkaut und zuckersüß ist die Breze die Heldin in der Zwergenküche. Und alle im Saal, die schon einmal ein Kind mit Breze erlebt haben, stimmen begeistert zu.

Max Bauer ist in einer monolinguistischen oberbayrischen Familie aufgewachsen, was seiner Liebe zu Sprachen besonders östlich der Weißwurscht-Grenze keinen Abbruch tut. Sein eigenes träumerisches Herbstgedicht hat er für heute extra auf Bayrisch übersetzt. Zur Breznausstellung hat er eine komplexe abstrakte Komposition beigesteuert.

Wie Granteln auf höchstem (Bayrisch-)Niveau geht, zeigt Karl-Heinz Hummel. All die schönen Sachen in München wie Biergarten, Isar oder Weißwurscht – es ist doch „Imma wieda des Gleiche“.

Anna Funke ist über ihren niederbayrisch-maulfaulen Schatten gesprungen und hat sich zur wortreichen Verfechterin des positiven Denkens gemausert bis eines Tages eine Packerl vom Leben höchstpersönlich abgegeben wird … Für ihre Rede voll ironischer Selbsterkenntnis spendiert das Publikum weit über 80 Dezibel und damit hat sie den Auftritt im Giesinger Bahnhofsbrettl gewonnen.

Die Pause nutzen die Gäste zum Ratschen, Biertrinken und selbstverständlich auch zum Betrachten der feinen Brezl-Exponate mit denen die Gepäckhalle geschmückt ist.

Mit einem Kurz-Drama der leidigen Art geht’s dann weiter. Hans Senninger, seines Zeichens Giesinger Drama-Autor trägt „Der Tag danach“ vor. Es handelt von einem schmerzensreichen Tag voller Gedächtnislücken, denn am Tag zuvor hat ein Wiesnbesuch stattgefunden.

Das Weltumspannende und Verbindende der Brezn hebt Elfie Hafner-Kroseberg in ihren Zeilen hervor, schließlich ist es geradezu eine „sakrale“ Handlung, wenn man in sie hineinbeißt, dass es laut kracht.

Michaela Hug-Szajer erinnert sich an einen Sommer in München voller Leichtigkeit und Verliebtheit – an der Isar, in Schwabing ­– einen solchen Sommer gibt es nur einmal im Leben. Aber in Michaelas Gedicht wird er ewig... Als Romantikerin hat sie der Ausstellung eine Breze aus Rosenblättern gestiftet.

Einen gewitzten Disput unter Tieren, zur Frage wer der Chef sein soll, hat Richard Maresch verfasst, geschwind Texte verteilt und so in Nullkommanix ein Schauspiel inszeniert, das etliche darstellerische Talente im Publikum zum Vorschein bringt.

„Ozapft is!“ hieß es vor knapp zwei Wochen unweit auf der Theresienwiese und viele haben dabei an „Ogsteckt is!“ gedacht. Doch im Hier und Jetzt der „Goldenen Brezn“ stecken wir uns alle nur mit dem Poesie-Virus an und freuen uns narrisch darüber. Danke Sonja Schmidt dafür.

Es heißt „Moin“, nicht etwa geschwätzig „Moin, moin“, stellt Jeanne Schehrer energisch klar. Doch bei der norddeutschen Knappheit bleibt es nicht, sondern Jeanne entpuppt sich als wahre Meisterin in der Kunst der Sprechpausen.

Gleich darauf zieht wie ein Wirbelwind Birgit Hufnagel, wortreich rappend und vor allem spontan das Publikum in ihren Bann. Dass sie ihre Brille vergessen hat, bremst sie keineswegs, sondern spornt ihre Assoziationsfreude erst recht an.

Nach einem beschwerlichen Weg vom Herzkasperlzelt auf der Wiesn bis zur Gepäckhalle hat es auch Herbert Hanko auf die Bühne geschafft. Er informiert alle wo Detmold liegt und gibt launige Limericks zum besten Schluss.

Die GspusiMusi mit Susi Achatz, Martin Achatz und Klaus Altenbuchner runden den Abend noch mit ein paar Stückln ab. Viele der Gäste bleiben noch zum Ratschen und sagen zum Abschied: „Schee wars!“

Die Aktion wurde freundlicherweise vom Bezirksausschuss 17 Obergiesing-Fasangarten gefördert und von den Freunden Giesings e. V. vom Kulturzentrum Giesinger Bahnhof mitgetragen. Danke!

Fotos: Birgit Knoblach, Brigitte Obermaier, Lothar Thiel

Medienecho
https://www.literaturportal-bayern.de/betriebsgefluester?task=lpbblog.default&id=2760
https://www.tz.de/muenchen/stadt/hallo-muenchen/muenchen-kunst-ausstellung-fotos-skulpturen-breze-gebaeck-bahnhof-giesing-poesieboten-verein-91785173.html
https://www.wochenanzeiger.de/article/247147.html