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Gedicht des Monats/Kür

Gedicht des Monats Mai von Anita Hollauf, Wien

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München schillert

Gedichte aus dem Poesiebriefkasten von 111 PoetInnen; Euro 14,90; Taschenbuch; Erhältlich bei amazon, Smart+Nett oder Ihrem Buchhändler; Infos


Poetischer Adventskalender

In der Giesinger U-Bahnstation Silberhornstraße schräg gegenüber vom Lift: Vom 3. bis 26. Dezember 2020 füllt sich hier täglich eines der 24 freien Felder mit frischer Lyrik, von einem Poeten oder einer Poetin des Poesiebriefkastens selbst gedichtet und mit der Hand hineingeschrieben. Ein Tagebuch:

Viele Bilder und kurze Geschichten finden sich auf Instagram.

Do, 3. Dez. Es ist kurz vor 17 Uhr und ziemlich ruhig. Die einfahrenden U-Bahnen spucken im Vergleich zum vorigen Dezember wesentlich weniger Menschen aus. Viele Sicherheitskräfte sind unterwegs. Coronabedingt wollen wir sowieso Menschenansammlungen vermeiden und in erster Linie zum Schreiben und Lesen animieren.

Pünktlich kommt Friedrich Ani zum Adventskalender. Er schreibt einen Vierzeiler ins erste Fensterl. Romantische Verse an ein wohl geliebtes „Du“ gerichtet. Eigentlich zeitlos, doch bei der allgegenwärtigen Unsicherheit wirken sie auf mich wie eine feine Brise. Ein kleines Team von München tv stößt für ein Interview zu uns. Ani hält, soweit ich das aus meinem Achsamkeitsabstand aufschnappe, ein kleines Plädoyer für die Poesie. „Sie bringt Wärme zu den Menschen.“

Eine vielversprechender Anfang für eine staade Aktion! ks

Fr, 4.12. Unser boarischer Dichter Hans Senninger trug gleich mit zwei Werken zur Ausgestaltung unseres Kalenders bei. Zur Verstärkung und Hilfe beim Befestigen war seine Frau mit dabei. as

Sa, 5.12. Einiges ist bereits hineingekritzelt in den Adventskalender, Hübsches und Verqueres. Letzteres löst bei zwei vorbeikommenden Studenten Kopfschütteln aus. Einer von ihnen schreibt deswegen in den Kalender „STAY SAFE“.  Er heißt Albin und kommt aus Indien. Eigentlich warte ich auf Volya Hapeyeva, die sich wegen einer nichtfahrenden U-Bahn etwas verspätet. Da kommt sie schon! Drei Damen aus ihrem Lyrikkreis in der Villa Stuck haben sich auch eingefunden. Bei einigen Menschen hängt das Herz so hoch, dass man akrobatische Fähigkeiten entwickeln muss, um es zu erreichen. Darum geht es in ihrem Gedicht, das sie auf Deutsch und Belarussisch vorträgt und in den Kalender schreibt. Wir sind bezaubert von dieser Minivorstellung.

Auf dem Nachhauseweg grüßt mich ein unbekannter junger Mann freundlich lachend. Das ist ja Albin! Ohne Maske hätte ich ihn fast nicht erkannt. ks

So, 6.12. Eine Dame liest interessiert. Sie hat bei ihrer sonntäglichen Walking-Tour extra einen Schwenk ins Sperrengeschoss gemacht. Heute kommt Madalina Sora-Dragomir und schreibt ihr Adventsgedicht. Dazu muss sie sich auf die Zehenspitzen stellen. Sie findet, dass die Schrift zu klein geworden ist. Dafür liest sie ihr Werk gleich vor. Es ist voll komischer Verzeiflung: „Advent, Advent, mein Herzlein brennt.“

Da kommt auch noch Helmuth Hopper, ein bairischer Mundart-Dichter aus Haidhausen daher und bappt ein Gedicht gleich daneben.

Di, 8.12. Chris Uray schreibt in den Kalender: Demokratie ist ein wertvolles Gut. Im Gedicht befürchtet Chris eine Gesundheitsdiktatur. Auf jeden Fall sollen wir wachsam sein. Im Advent können wir zudem auf Christus hoffen. Mutig sein für die Freiheit das lohnt sich. Auf jeden Fall führt Chris Gedicht über die Lyrik hinaus zu dem was viele Menschen heute beschäftigt. Gedankenanstöße in poetischer Form sind schätzenswert.

Außerdem habe ich schöne poetische Gedanken entdeckt , von Hilde Domin. ks

Bereits 1988 hat Doris Melzaros ein Gedicht geschrieben, das "Die Mauer" heißt. Nun hat sie es überarbeitet für den Adventskalender. Was verbirgt sich hinter der Mauer? Ein Lächeln? Eine solche Vorstellung macht sogar eine Mauer schön. ks

Mi, 9.12. Astrid Sherina Schaper hat dieses Jahr gebastelt – ein Leistengedicht. Das ist so eine Art poetisches Scrabble. Das war ein ziemliches Gepfriemel hat sie mir am Telefon verraten. Das Entziffern macht jedenfalls Spaß und vielleicht ist so ein Akrostichon zu basteln eine Beschäftigung für lange winterliche Lockdown-Abende.

Do, 10.12. Thomas Fleckenstein und Mathias Werner sind Kollegen am Friedhof am Perlacher Forst. Auf dem Nachhauseweg von der Arbeit kommen sie mit ihrem Gemeinschaftswerk vorbei. Das Werk (Text Thomas, Grafik Mathias) ist so schön, dass es zum Verweilen einlädt. Hut ab, vor den men in black!

Fr, 11.12. Die BürgerInitiative heimatGiesing veranstaltet heute wieder eine Mahnwache. Seit über drei Jahren setzen sie sich unermüdlich dafür ein, dass das illegal abgerissene Uhrmacherhäusl originalgetereu wieder aufgebaut wird. Dafür tun sie sogar dichten ! Wunderbar - das Uhrmacherhäusl ist mit dabei, zumindest dichterisch.

Sa, 12.12. Wegen des Lockdowns kann Pascal Hilgendorf leider nicht persönlich kommen dafür hat er seinen Spruch per Post geschickt. Das Leben ist knallhart, aber man kann etwas draus machen. Das ist seine Erfahrung.

So 13.12. Das Gedicht von Hans Senninger, hatte ja Flügel gekriegt oder ein Fan der bairischen Sprache hats mitgenommen. Jetzt ist es wieder da! „Koide Luft" heißt es und wärmt uns mit Maronenduft die Händ und Herzen! Über Boten hat der Richard Maresch was geschickt. Ein Weihnachtsgedicht von N.N., das sich ein Weihnachten, wie es früher einmal war, wünscht. Nun, so etwas kriegen wir ja heuer fast, denke ich, mit wenig Chichi, im engsten Kreis ohne anstrendes Shopping...

Mo 14.12. So kurz vor dem strengen Lockdown schaut Karin Biela vorbei. Ihre Lesung im Frühling im SPIX ist ja leider ausgefallen. So lernen wir uns jetzt erst kennen. Über die Arbeit mit Demenzkranken hat Karin ihr erstes Buch veröffentlicht und unterrichtet als Dozentin zu dem Thema. Sie schreibt Kurzgeschichten, Märchen und Poesie. Für uns hat sie natürlich auch ein Gedicht mitgebracht. Es huldigt die Schönheit der Natur, die trotz Corona erfreut.

Der Lockdown verunsichert viele. Das Projekt wird auf jeden Fall weitergeführt, aber mit viel weniger Kontakt. Einige Poeten sagen ab, andere schicken ihre Werke per Post und ich klebe sie an. Dafür gibt es Gedichte zum Mitnehmen fürs "Dahoambleiben"

Wunderbare Pretiosen sind auf dem Kalender gelandet von Andrea Linz-Schlippa und ein Gedicht namens Lichtblicke. Nicht ganz ernst gemeint ist ein Gruß von Albert Einstein.

Do 16.12. – ziemlich cooler Abschied. Torsten Müller, seiners Zeichens Stadtteilmanager im Giesinger Stadtteilladen hat zum Abschied gedichtet. In der Nachbarschaft heißt es und es kommt fast alles drin vor was Giesinger bewegt. Das beste daran man kann das Geidcht auch singen und zwar zu "In the Neighborhood" von Tom Waits. Dazu ist hat er auch einen QR-Code hingebappt. Also ich bin gespannt ob es ein neuer Hit wird.

Sa, 18.12. Lothar Thiel hat sichs nicht leicht gemacht und sich in verschlungene Quergedanken mit Rechtsdrall und passender Rechtschreibung hineingedacht. Prima Satire! "teutsche weyhnacht, quergedacht" heißt das Werk.

So, 19.12. Passend zum Fest der Liebe hat Brigitte Obermaier ein superschön kalligrafisch gestaltetestes Blatt geschickt mit ganz vielen Herzln drauf - es geht um Nächstenliebe die man erst mal zu sich selbst empfinden soll.

22.12. Ein wunderbarer Weihnachtslieder-Collage auf Goldpapier kam von Nicole Hilbrandt zum poetischen Advetnskalender. Da kommt Weihnachtsfreude auf.

Der Bezirksausschuss 17 Obergiesing-Fassangarten unterstützt freundlicherweise das Projekt.

Medienecho